Innovationstransferprojekt Comp4You - Entwicklung und Erprobung eines Systems zur Anerkennung von erworbenen beruflichen Kompetenzen unabhängig vom Weg des Lernens im kaufmännischen Bereich

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Projektzeitraum

  • 01.10.2013 - 30.09.2015

Zusammenfassung

Projektwebseite

Die Anerkennung des informellen und nicht-formellen Lernens ist eine Notwendigkeit im Zeitalter des lebenslangen Lernens. So entwickelt sich das Kompetenzprofil über alle Formen des Lernens und sollte so auch in seiner Gesamtheit bewertet werden. Die europäische Norm zur Personalzertifizierung

(EN ISO 17024) regelt diesen Prozess, ist aber in der Breite für alle EQF-Level schwer zu realisieren. Der Grund sind fehlende Instrumente, die dieses wirtschaftlich vertretbar umsetzen. Bisherige Angebote beziehen sich auf die Level 6 bis 8. Sie sind insbesondere für die EQF-Stufen 3 bis 4 nicht vorhanden.

Dieses Projekt entwickelt ein ECVET-System zur Anerkennung von Kompetenzen unabhängig vom Weg des Lernens für die EQF-Level 3 bis 4 im kaufmännischen Bereich. Das zu entwickelnde System wird online-basiert über eine Kompetenzevaluierungsplattform bereitgestellt. Auf der Basis der erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten werden individuelle Kompetenztests zusammengestellt. Die Testergebnisse liefern ein Kompetenzprofil, für welche eine Kompetenzbeschreibung generiert wird, die durch eine Zertifizierungsstelle bestätigt wird. Damit bestätigt ein neutraler Dritter die erworbenen Kompetenzen, unabhängig vom Weg des Lernens. Das online-basierte System ermöglicht eine kosteneffiziente Kompetenzbilanzierung, wodurch die Personalzertifizierung für Berufsgruppen erschlossen wird, die aus Kostengründen bisher davon weitestgehend ausgegrenzt waren.

Das zu entwickelnde System schließt eine Lücke in der Personalzertifizierung für einen Personenkreis, für den es bis dahin kein effizient nutzbares Angebot gibt. Die Person mit seinen individuellen Kompetenzprofilen bestimmt das Zertifikat. Damit entstehen Kompetenzbilanzen, die zu einer Erhöhung der beruflichen Mobilität führen werden, da erworbene Kompetenzen eine berufliche Identität erhalten. Diese Kompetenzbilanzen können die durch den Arbeitgeber ausgestellten Arbeitszeugnisse ergänzen bzw. diese teilweise ersetzen, wenn der Arbeitgeber keine ausstellen sollte. Da das System als europäisches Projekt aufgebaut wird, werden grenzüberschreitende vergleichende Kompetenzanerkennungen möglich, die die europäische Arbeitsmobilität positiv beeinflussen.

Ausgangssituation

ie Anerkennung des informellen und nicht-formellen Lernens ist eine Notwendigkeit im Zeitalter des lebenslangen Lernens. Tatsächlich existieren aber zahlreiche Barrieren, die auf diesem Wege erworbenen Kompetenzen einer Anerkennung zuzuführen. Menschen müssen gegenwärtig und zukünftig eine hohe Mobilität hinsichtlich der zu bewältigenden Arbeitsaufgaben und der potentiellen Arbeitnehmer haben. Berufskarrieren sind zunehmend eine Aneinanderreihung von Arbeits- und Orientierungsphasen. Die Tatsache, dass gegenwärtig nur ca. 30 % aller arbeitenden Menschen in dem Beruf arbeiten, den sie einmal erlernt haben, zeigt, dass die Menschen überwiegend durch informelles und nicht-formelles Lernen Kompetenzen aufbauen, für diese aber keine Anerkennung haben. So hat sich das Kompetenzprofil eines Menschen entwickelt über alle Formen des Lernens und sollte so auch in seiner Gesamtheit bewertet werden. Die europäische Norm zur Personalzertifizierung (EN ISO 17024) regelt diesen Prozess, ist aber tatsächlich für eine auf alle Bevölkerungsgruppen zutreffende Situation schwer umzusetzen. Der Grund sind fehlende Instrumente, die diese Kompetenzanerkennung wirtschaftlich vertretbar umsetzen und damit für eine breite Gruppe von Menschen auch finanzierbar sind. Bisherige Angebote zur Personalzertifizierung bewegen sich im oberen vierstelligen Eurobereich. Aber insbesondere für die EQF-Stufen 3 bis 4 gibt es keine wirtschaftlich realistischen Angebote für die Zielgruppe.

Ziele und Aufgaben

Dieses Projekt entwickelt ein ECVET-System zur Anerkennung von Kompetenzen unabhängig vom Weg des Lernens. Das System wird online-basiert über eine Kompetenzevaluierungsplattform bereitgestellt und bildet den kaufmännischen Bereich beispielhaft ab. Auf der Basis der individuell erworbenen Kompetenzen werden Testverfahren zusammengestellt. Die Auswahl der zu prüfenden Kompetenzen/Fertigkeiten erfolgt durch den Kandidaten auf der Basis seiner erworbenen beruflichen Kompetenzen mit Hilfe eines Strukturmoduls, das auf einer Zuordnungsmatrix basiert. Das Strukturmodul ermöglicht das Zusammenstellen von strukturierten Lernergebnisbeschreibungen, bestehend aus miteinander verknüpften Kompetenzen, Fertigkeiten und Fachbegriffen, das in horizontaler Ebene ein Thesaurus und in vertikaler eine Taxonomie ist. Die Testergebnisse liefern ein Kompetenzprofil, für welche eine Kompetenzbeschreibung generiert wird. Da die Kompetenzfeststellungen und die Identifizierung der erworbenen Kompetenzen immer bei einem Zertifizierungspartner durchgeführt werden, stellt dieser das Kompetenzzertifikat aus und bestätigt damit als neutraler Dritter dem Kandidaten seine beruflichen Kompetenzen. Das onlinebasierte System ermöglicht in diesem Falle eine kosteneffiziente Kompetenzbilanzierung für die EQF-Level 3 bis 4. Über diesen Weg wird die Personalzertifizierung einem breiten Interessentenkreis ermöglicht, die aus Kostengründen bisher davon weitestgehend ausgeschlossen waren.

Das System wird als europäisches System in Französisch, Deutsch, Englisch, Schwedisch, Italienisch entstehen und damit den mitteleuropäischen Kernbereich abdecken. Da für alle Länder die Kompetenztests nach dem einheitlichen Strukturmenü zusammengestellt werden, sind länderübergreifende vergleichende Kompetenzfeststellungen möglich. Das heißt, es sind Kompetenzen und auf der untersten Ebene berufliche Fertigkeiten länderübergreifend einheitlich definiert, auf dessen Basis die jeweiligen Tests für die Länder zusammengestellt werden. Dabei verwendet das System vergleichbare aber nicht unbedingt identische Fragen zur Generierung eines Tests. Auf Grund der unterschiedlichen Gesetzgebung im kaufmännischen Bereich und der unterschiedlichen Steuersysteme ist eine einheitliche Kompetenzfeststellung mit gleichen Fragen nicht möglich. Das System hilft ECVET genau diese Schwierigkeit in der länderübergreifenden Kompetenzfeststellung zu überwinden.

Innovationstransfer

In Comp4you erfolgt ein Transfer von Methoden und Werkzeugen, die für ECVET im Bereich der formalen beruflichen Bildung entwickelt wurden zur Nutzung für die Anerkennung von beruflichen Kompetenzen, die durch informelles und nicht-formales Lernen (INFL) erworben wurden. Dabei handelt es sich um das LdV Projekt M-ECVET-S und das ECVET-Projekt ESyCQ. Der Transfer erfolgt gleichzeitig länderübergreifend in vier weitere Länder.

Die folgenden Produkte aus M-ECVET-S sind für einen Transfer aus einem modularen System der formalen beruflichen Bildung in den Bereich des INFL geeignet:

  • ECVET-Methodologie für ein modulares System der formalen beruflichen Bildung
  • Methodologie für Kalkulation und Allokation von Leistungspunkten durch Anwendung der „Notional Learning Time"
  • Lernergebnisbeschreibungen für kaufmännische berufliche Kompetenzen
  • Durch einen Innovationstransfer des Projektes ESyCQ – „European Credit System for Commercial Qualifications", das sich mit Berufen/Qualifikationen der Berufsbildung befasst, werden die in diesem Projekt entwickelten ECVET-Produkte/Methoden/Strategien für die Anerkennung von informellem und nicht-formellem Lernen transferiert. Die folgenden Produkte sind für diesen Transfer vorgesehen:

  • Beschreibungen von Lernergebnissen für 6 ausgewählte kaufmännische Berufe/Qualifikationen bestehend aus Kompetenzen, Fertigkeiten und Wissen
  • Methode zur Evaluation, Validierung und Anrechnung von Lernleistungen durch online-basierte Testverfahren für ausgewählte Berufe/Qualifikationen zum Nachweis erworbener Kompetenzen

Partnerschaft

Das Konsortium verfügt über alle notwendigen Expertisen. Es stehen für alle Arbeitspakte (AP) Partner zur Verfügung, die über das spezielle Know-How verfügen. Diese Spezialisten leiten auch die AP und werden von weiteren Partnern unterstützt. Das Konsortium setzt sich zusammen aus den Kernpartnern der zu transferierenden Produkte und zielgerichtet ausgewählten Partnern, die spezielle Kompetenzen einbringen sowie Transfer und Verbreitung effizient unterstützen können.

Projektleitung:

Kernpartner:



Evaluator:

IBS-CEMES Institut GmbH (DE)

IHK Bildungszentrum Cottbus GmbH (DE)
Chambre de commerce et d'industrie de région Paris Ile-de-France (FR)
Elderberry Ab (SE)
University of Bedfordshire (UK)

Training 2000 (IT)

Projektablauf

Der Projektablauf gliedert sich in 10 Arbeitspakete.

AP1 Startphase

AP2 Analyse entsprechend der Zielstellung

Die Analyse erfolgt als eine Bewertung des aktuellen Standes in der Anerkennung von beruflichen Kompetenzen unabhängig davon auf welchem Wege diese erworben wurden. Es ist eine Erfassung des „State of the Art", um die Erkenntnisse in das Projekt einfließen zu lassen.

AP3 Innovationstransfer I – Überführung Learning Outcomes (LO's) in neue Länder

Die LO's, die in Deutsch und teilweise in Englisch vorliegen, müssen für den Transfer angepasst/ergänzt werden. Das betrifft die Beschreibung der Lernergebnisse und die Zuordnungsmatrix für die Eingabe in die CEMES-Kompetenzplattform für den länderübergreifenden Einsatz.

AP4 Innovationstransfer II – Überführung Fragenpool in neue Länder

Die vorliegenden Testfragen sind ebenfalls in Deutsch und teilweise in Englisch vorhanden. In den zu transferierenden Projekten wurde nur pilothaft an bestimmten Bereichen gearbeitet, so dass weitere Testfragen zu entwickeln sind. Anschließend sind diese in die Sprachen der Partner zu übertragen. Eine wörtliche Übersetzung ist nicht möglich, da unterschiedliche Gesetzgebungen im kaufmännischen/steuerlichen Bereich das nicht zulassen. Die Fragen sind der einheitlich strukturierten Zuordnungsmatrix zuzuordnen.

AP5 Innovationstransfer III – Anpassung Methodologie "ECVET-Allocation of the Credits"

In M-ECVET-S wurde eine Methode zur Ermittlung der ECVET-Credits für ein modulares System der formalen beruflichen Bildung entwickelt. Diese Methode, die auf der Anwendung der „Notional Learning Time" beruht, ist anzupassen.

AP6 Aufbau des Zertifizierungssystems zum Nachweis der erworbenen Kompetenzen

In diesem AP werden die AP2, 3, 4 und 5 zusammengeführt und zu einem System formiert. Es ist die CEMES-Plattform anzupassen und notwendige Tools für die Generierung der kandidatenbezogenen Lernergebnisbeschreibungen und Ermittlung der zuzuordnenden ECVET-Credits zu programmieren. Eine europäische Prüfungsordnung wird erstellt und regelt die Zertifizierungsprozesse in Anlehnung an die europäische Norm zur Personalzertifizierung.

AP7 Testphase

AP8 Verbreitung, Valorisation

AP9 Projektmanagement, Qualitätsmanagement

AP10 Evaluation

Projektergebnisse

Nr.Bezeichnung
1 Analyse des europäischen Standes der Einführung und Umsetzung von ECVET im Bereich der beruflichen Bildung, Analyse der existierenden Möglichkeiten zur Anerkennung non informellem und nicht-formalem Wissen und deren Umsetzung in Europa
2 Lernergebnisbeschreibung für den Handlungsbereich Office Clerk
3 Lernergebnisbeschreibung für den Handlungsbereich "Kaufmännische Speditions- und Logistikdienstleistungen"
4 Strukturmatrizen für den Handlungsbereich Office Clerk
5 Strukturmatrizen für den Handlungsbereich "Kaufmännische Speditions- und Logistikdienstleistungen"
6 Pool an Prüfungsfragen für Kompetenztests im Bereich "Office Clerk"
7 Pool an Prüfungsfragen für Kompetenztests im Bereich "Kaufmännische Speditions- und Logistikdienstleitungen"
8 Anpassung der Methodologie “ECVET-Allocation of the Credits for learning time for informal and non-formal Learning"
9 Europäische Prüfungs-/Zertifizierungsordnung
10 Organisationsstruktur des Comp4you-Systems und der Akteure
11 Comp4you-Prüfungstool
12 Europäisches Marketing- und Geschäftsmodell
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